GMEC / Lastfallblatt
Kunststoffspritzguss · Mechanische Auslegung
Praxis-Kontext: BACH INDUSTRY AG koordiniert Kunststoffspritzgussprojekte über ein qualifiziertes Partnernetzwerk und eine Schweizer Projekt- und Qualitätsschnittstelle.
BLATT M–01 / ANTWORT ZUERST

Ein Lastwert ist noch kein Lastfall.

Mechanisch belastete Spritzgussteile werden nicht allein nach einer kurzfristigen Festigkeitsangabe ausgelegt. Entscheidend ist, wie Last, Dauer, Temperatur, Feuchte, Geometrie und Werkstoffzustand im realen Einsatz zusammenwirken.

LastArt · Richtung · Verlauf
ZeitDauer · Pause · Zyklen
KlimaWärme · Feuchte · Medien
FormRippen · Radien · Kerben
ZustandOrientierung · Alterung
01EINGABEN
VOLLSTÄNDIG?

Belastung

Zug, Druck, Biegung, Torsion oder Kombination; statisch, wechselnd oder stossartig; Richtung relativ zur Fliessorientierung.

Welche seltene Last kann das Bauteil stärker bestimmen als der Normalbetrieb?

Zeitprofil

Belastungsdauer, Entlastungsphasen, Wiederholungen, vorgesehene Nutzungszeit sowie Montagevorspannung erfassen.

Bleibt eine Schraubverbindung oder Schnappstelle dauerhaft unter Dehnung?

Umgebung

Temperaturbereiche und Wechsel, Feuchteaufnahme, UV-Exposition sowie Kontakt mit Reinigungs- oder Betriebsmedien beschreiben.

Wird der ungünstigste Zustand erst nach Konditionierung erreicht?

Geometrie

Wanddickenübergänge, Kerbradien, Bindenähte, Anspritzlage, Rippen, Dome und lokale Kontaktpressung berücksichtigen.

Liegt die höchste lokale Spannung dort, wo Prozess und Geometrie eine Schwächung erzeugen?

Mechanisch belastete Kunststoffproben unter Einfluss von Zeit, Temperatur, Feuchte und Kerben
VERSUCHSLINIE / KEIN EINZELWERTKonstante Biegelast, Kerbstelle, Wärme und Feuchte verändern das Verhalten gemeinsam. Das Prüfprogramm muss den tatsächlichen Gebrauch abbilden.
02 / NACHWEIS

Vom Kennwert zum Bauteil

Werkstoffdaten eingrenzen

Nur Werte mit passender Temperatur, Konditionierung, Prüfrichtung und Belastungsdauer als Ausgangspunkt verwenden.

Geometrie bewerten

Lastpfad, lokale Dehnung, Kerben und anisotropes Verhalten mit geeigneten Berechnungen oder Simulationen untersuchen.

Muster gezielt belasten

Prototypen oder frühe Spritzgussteile für Montage-, Missbrauchs- und kombinierte Umweltlasten einsetzen.

Serienteil verifizieren

Freigegebener Werkstoff, Werkzeugstand und Prozess müssen dem geprüften Zustand entsprechen.

03 / FREIGABELOGIK

Eine belastbare Freigabe nennt ihre Annahmen.

Dokumentiert werden Lastkollektiv, Umgebungsprofil, zulässige Verformung, Funktionsgrenze, Sicherheitskonzept, Prüfmethode und der konkrete Material- und Bauteilstand. Ändern sich diese Randbedingungen, ist die Aussage neu zu bewerten.

Prüffrage: Würde das Teil auch dann freigegeben, wenn man nur den kurzfristigen Datenblattwert kennt? Falls ja, fehlt wahrscheinlich der Lebensdauerbezug.